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Ihle, Ferrophon-Junior
Ihle,  Ferrophon-Junior
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Ihle, Ferrophon-Junior
Beschreibung: Das oben gezeigte Ger√§t kam bereits 1949/50 auf den Markt und ist auch unter dem Namen "M√ľnchberg I" bekannt. Dem sachkundigen Betrachter fallen einige markante Details sofort ins Auge: Omegaantrieb, Spitzkeilkopf und eine √ľberaus spartanische Ausstattung.
Der bogenf√∂rmige Kopftr√§ger ist hier nur mit einem einzigen Magnetkopf, einem hochohmigen H√∂rkopf, best√ľckt. Statt eines weiteren (Sprech-)Kopfes dient eine zus√§tzliche Leitrolle der Bandf√ľhrung. Eine Abdeckhaube ist f√ľr den Kopftr√§ger auch nicht vorgesehen. Eine manuell zu bedienende Brummklappe sch√ľtzt den Kopf vor St√∂reinstrahlung. Doppelflanschspulen nach DIN gab es noch nicht - folgerichtig ein 20-er Zentrierdorn mit einfachen Mitnehmerbolzen f√ľr die √úbertragung des Aufwickelmomentes.
Kommen wir nun zum Mythos Omegaantrieb.
Diese Vortriebsart findet sich m.W. ausschlie√ülich bei Amateur-, also Heimtonbandger√§ten. Im professionellen Bandmaschinenbau war damit kein Blumentopf zu gewinnen, da dieses System erwiesenerma√üen √ľberaus st√∂ranf√§llig ist.
Als Bedienorgane sind einzig zwei simple Kippschalter vorhanden: Ich wei√ü es nicht besser, daher behaupte ich nurmal da√ü einer f√ľr Wiedergabe und der andere f√ľr schnellen Vorlauf zu bet√§tigen ist. Da es sich hier um eine Vollspurmaschine handelt, ist ein zur√ľckspulen unvermeidbar und da es keinen eigenen R√ľckspulmotor gibt, mu√ü der abgelaufenen Wickel eben umgelegt werden. Bei blockierter Rutschkupplung sind die 1000 Meter Band in f√ľnfeinhalb Minuten umgewickelt.


Das Foto von E.Schwahn ist der Funk-Technik 10/1949, S.288 entnommen.

FT beschreibt dort in einem sehr ausf√ľhrlichen Artikel den "...neue Magnetbandspieler von Opta spezial GmbH, der unter dem Namen 'Ferrophon-Junior' bzw. 'M√ľnchberg I' demn√§chst in den Handel kommen wird, ..." und weiter "Weitgehende Vereinfachungen und der Verzicht auf allen Bedienungskomfort lie√üen ein √§u√üerst preiswertes Ger√§t entstehen, ...". Etwas sp√§ter finden wir "Die neuen Opta-Tonk√∂pfe haben eine rechteckige Form..." und "Mit den neuen Opta-Tonk√∂pfen konnte deshalb auch ein kleinerer Klirrfaktor erreicht werden."
Damit will ich es bewenden lassen - Etikettenschwindel im Jahre 1 der Bundesrepublik, keinesfalls also eine Erfindung der Neuzeit. Heute bekommt man allerdings zunehmend billigsten Schrott zu teurem Preis wegen einem √ľberteuerten Etikett mit einstmals gutem Namen.

Was ist nun Opta an dem Ferrophon? Das wird wohl niemand beantworten können; ich behaupte einfach mal, daß es sich bestenfalls auf den Verkaufsprospekt beschränkt.

Das Ger√§t selbst ist nichts anderes als ein Produkt der Herren Ihle, L√∂sche und Woelke. Letzterem wurde bereits 1946 das Patent f√ľr den Omegaantrieb erteilt. Das Patent zu den Spitzkeilk√∂pfen ist den drei Herren gemeinsam zugeteilt worden. Die Konstruktion dieses Apparates selbst k√∂nnen sich Ihle und L√∂sche auf die Fahnen schreiben. Und Opta? Opta hatte den Vertrieb wohl aller Ferrophone √ľbernommen. Dabei war man nat√ľrlich sehr emsig dabei, an allen passenden und unpassenden Stellen die eigene "Hundemarke" dran oder dr√ľber zu bappen.
Ein Punkt allerdings ist mir nicht ganz klar: Ihle hatte eine eigene Tonkopffertigung, ebenso Woelke. Auszuschlie√üen ist es nicht, da√ü aus Kapazit√§tsgr√ľnden auch bei der Opta eine Fertigung von Spitzkeilk√∂pfen gelaufen ist.
In der jungen DDR wurden Spitzkeilk√∂pfe u.a. von der Fa. Langnese gefertigt. Nein, nicht die mit dem Speiseeis sondern ein in Leipzig ans√§ssiger feinmechanischer Betrieb. Da die Herstellung solcher Tonk√∂pfe mit recht geringem Aufwand in einer beachtlich hohen Qualit√§t erfolgen kann, ist es durchaus denkbar, da√ü auch andere Unternehmen der Branche, Handwerksbetriebe vornehmlich, solche Magnetk√∂pfe f√ľr ihre eigene Tonbandger√§teproduktion fertigten. Damit lie√üen sich die Sch√ľllerschen Patente zum Ringkernkopf und dessen Taumelscheibe elegant umgehen. Obendrein ist die Justierung eines Spitzkeilkopfes um ein vielfaches einfacher, schneller und mit h√∂herer Genauigkeit durchf√ľhrbar.

Wenn man das hier gezeigte Ferrophon-Junior auch in die Kategorie der einfachen Amateurger√§te stellen mu√ü, so ist das Ferrophon IIIc schonmal das ganze Gegenteil davon. Und zwar in allen Belangen, zuvorderst nat√ľrlich auch im Preis!

Im Jahre 4 nach dem Ende des Tausendj√§hrigen war die Entwicklung eines m√∂glichst billigen und somit erschwinglichen Tonbandger√§tes die absolut richtige Entscheidung. Einige Kilometer √∂stlich war es der geniale Konstrukteur Friedrich Knochenhauer, der mit seinem BG190 f√ľr internationales Aufsehen sorgte. Anders als Max Ihle konnte Knochenhauer nicht frei entscheiden was wie zu tun sei sondern mu√üte sich den politisch-√∂konomischen Zw√§ngen dieser Zeit beugen.

Interessierte Mitglieder finden den vollständigen Aufsatz aus der FT 10/1949 im betreffenden Unterverzeichnis des Firmenordners Ihle.


Text: MGW51
Schl√ľsselwörter: Max Ihle, Marktschorgast, Ferrophon, M√ľnchberg I, Spitzkeilk√∂pfe, Bruno Woelke, Fritz L√∂sche, Opta spezial GmbH, Etikettenschwindel
Datum: 03.03.2011 11:48
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Autor: Kommentar:
MTG20
Member

Registriert seit: 29.09.2010
Kommentare: 118
Opta

Der Text wird die Freunde von Loewe-Opta nicht besonders erfreuen.
03.06.2012 09:55 Offline MTG20



 


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